Bayerischer Apotheker­tag 2011

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Größere Therapiesicherheit nützt dem Patienten und spart Kosten

Patienten­gerechtere Arzneimittel­versorgung bei gleichzeitiger Kostenersparnis von 2,1 Milliarden Euro zugunsten der gesetzlichen Kranken­versicherungen: Dieses Zukunftskonzept haben Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Landes­apotheker­kammer, und Dr. Hans-Peter Hubmann, 1. Vorsitzender des BAV Bayerischer Apotheker­verband e.V. anlässlich des Bayerischen Apotheker­tages in Rosenheim vorgestellt. Das Konzept sieht vor, die Kompetenz von Ärzten und Apothekern bei der Arzneimittel­versorgung stärker zu nutzen. Es wurde gemeinsam von der ABDA Bundes­vereinigung Deutscher Apothekerverbände und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erarbeitet.

Eines der häufigsten Probleme in der Arzneimittel­therapie sei, dass Patienten ihre Medikamente nicht zuverlässig einnähmen, erklärt Thomas Benkert. „Bei Langzeit­therapien liegt die Einnahmetreue bei lediglich 50 Prozent.“ Ein Grund liegt bei den Rabattverträgen, die Pharmahersteller und einzelnen Krankenkassen abschließen: Patienten bekommen deshalb in der Apotheke häufig nicht das Präparat, welches auf dem Rezept notiert ist. Diese Umstellung von einem gewohnten Arzneimittel auf ein neues Präparat fällt vielen, vor allem älteren Menschen schwer, sagt Benkert.

Je mehr Medikamente ein Patient einnehme, desto größer sei außerdem das Risiko arzneimittel­bezogener Probleme, sagt Dr. Hans-Peter Hubmann. „Fast 7 Millionen aller Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nehmen fünf oder mehr Arzneimittel in der Dauertherapie ein. Hinzu kommt noch die Selbstmedikation.“ Dadurch steige das Risiko für unerwünschte Arzneimittel­ereignisse wie z. B. Wechselwirkungen, die der Grund für etwa fünf Prozent aller Krankenhaus­aufnahmen seien. Bei Patienten mit starken Altersbeschwerden seien es sogar bis zu 30 Prozent. Zwei Drittel dieser Fälle gelten als vermeidbar, sagt Hubmann.

Ein Dach, zwei Säulen

Das gemeinsame Konzept der Apotheker und Ärzte hat drei Bestandteile. Über den beiden „Säulen“ des Konzepts, dem Medikations­katalog und der Wirkstoff­verordnung, bildet ein neues Medikations­management das „Dach“. Das Medikations­management richtet sich an chronisch kranke Patienten, die mindestens fünf Arzneimittel dauerhaft einnehmen. Jeweils ein Arzt und ein Apotheker übernehmen für ein Jahr gemeinsam die kontinuierliche Betreuung. Sie erstellen und aktualisieren unter anderem den vollständigen Medikationsplan. Arzneimittel­risiken lassen sich so besser vermeiden.

Das Konzept sieht vor, dass Ärzte zukünftig Wirkstoff, Stärke, Menge und Darreichungs­form verordnen. Auf allen Arzneimittel­packungen muss deutlich lesbar der Name des Wirkstoffs verzeichnet sein. Der Apotheker wählt das Präparat aus und gibt es nach einer Beratung an den Patienten ab. Der Patient erhält außerdem einen Medikations­plan, der ihm genau anzeigt, welches Arzneimittel er in welcher Dosierung wann und wie lange einnehmen soll.

Von dem neuen Modell profitierten nicht nur die Patienten, auch die Krankenkassen könnten viel Geld sparen, sagt Dr. Hubmann. „Die Kassen müssten von dem Konzept begeistert sein. Mangelnde Therapietreue und unerwünschte Arzneimittel­ereignisse verursachen jährlich mehrere Milliarden Euro direkte Kosten, beispielsweise durch vermeidbare Krankenhaus­einweisungen. Nach einer stufen­weisen Einführung unseres Modells bis 2014 könnte die GKV pro Jahr 2,1 Milliarden Euro einsparen“, so der BAV-Vorsitzende.

Benkert und Hubmann sehen in mangelnder Therapietreue und unerwünschten Arzneimittel­ereignissen Probleme, die Ärzte und Apotheker nur gemeinsam lösen können. „Wenn wir Heilberufe gemeinsam arbeiten, können wir viel für den Patienten erreichen“, betont Benkert. Die Apotheker fordern die Politik auf, das Konzept in das geplante Versorgungsgesetz zu übernehmen und so der Arzneimittel­therapie­sicherheit einen höheren Stellenwert einzuräumen.

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