Die aktuellen gesundheitspolitischen Herausforderungen für die Apothekerschaft standen im Mittelpunkt der Delegiertenversammlung am 8. Mai 2026 in München. Gleichzeitig lag über der Sitzung eine besondere Stimmung: Die Delegierten kamen ein letztes Mal in der laufenden Wahlperiode zusammen. Das war Anlass für eine Bilanz, aber vor allem für den Blick nach vorne.
„BLAK im Dialog“
Zunächst ließ BLAK-Präsidentin Franziska Scharpf die letzten sechs Monate Revue passieren und ging hier auf die zahlreichen Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern auf Landes- und Bundesebene sowie weiteren Institutionen und Wissenschaft ein. Als besonders wichtig gerade in der aktuellen politischen Gemengelage betonte Scharpf den Schulterschluss mit der Ärzteschaft in Bayern, welcher in einem gemeinsamen Schreiben an Bundesgesundheitsministerin Warken zum Erhalt der freien akademischen Heilberufe mündete.
„Die kommenden Monate werden entscheiden, welche Rolle die Vor-Ort-Apotheke in der Gesundheitsversorgung künftig spielt.“ Weiter zeichnete Präsidentin Scharpf in ihrem Bericht ein deutliches Bild der aktuellen Lage. Die politischen Diskussionen auf Bundesebene, die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken und die Erwartungen an eine moderne, zukunftsfähige Gesundheitsversorgung stellen den Berufsstand vor große Aufgaben. Dabei machte Scharpf klar: Öffentliche Apotheken wollen Versorgung nicht nur sichern, sondern aktiv weiterentwickeln. „Dafür brauchen wir von der Politik jedoch zwingend verlässliche Rahmenbedingungen.“
Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf den zahlreichen Reformvorhaben des Bundes und ihren möglichen Auswirkungen auf die Apotheken vor Ort. Die Delegierten setzten sich intensiv mit der Frage auseinander, wie sich die vorgesehenen Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen auf die pharmazeutische Verantwortung, die Qualität der Versorgung und die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken auswirken könnten. Deutlich wurde dabei auch die Sorge vieler Delegierter, dass notwendige Strukturreformen nicht zulasten bewährter, krisenerprobter Strukturen und Versorgungsstandards gehen dürfen. Gerade in Zeiten mit einer wachsenden Bedeutung an kompetenter, persönlicher Beratung und steigender Erwartungen an niedrigschwellige Gesundheitsangebote brauche es starke Vor-Ort-Apotheken mit klaren Verantwortlichkeiten.
Besonders kritisch betrachteten viele deshalb die vorgesehene PTA-Vertretungsregelung. Präsidentin Scharpf betonte: „Die Verantwortung für die Apothekenleitung gehört in die Hand von freiberuflichen Apothekerinnen und Apothekern“, und versicherte zugleich: „Diese Botschaft teilt auch unser Bayerisches Staatsministerium mit uns.“ Auch aus Sicht der anwesenden Delegierten braucht eine sichere Arzneimittelversorgung klare Verantwortlichkeiten und die unmittelbare Einbindung approbierter Apothekerinnen und Apotheker. Die von der Bayerischen Landesapothekerkammer 2025 gestartete Öffentlichkeitskampagne gegen die geplante Vertretungsregelung wurde deshalb erneut als wichtiges Signal gewertet. „PTA wollen keine Vertretungsregelung, sie wollen echte Weiterqualifizierungsmöglichkeiten“, so Präsidentin Scharpf und verweist dabei auf das gemeinsam mit dem Bundesverband PTA (BVpta) hierzu ausgearbeitete Konzept auf Bundesebene.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussionen im bayerischen Apothekerparlament war auch die zukünftige Rolle der Apotheke in der Primärversorgung. Die Delegierten machten deutlich, dass Vor-Ort-Apotheken weit mehr leisten als eine sichere, ordnungsgemäße Arzneimittelabgabe: Sie verstehen sich zunehmend als niedrigschwellige Anlaufstellen für Prävention, Gesundheitsberatung und Arzneimitteltherapiesicherheit. Gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft und steigender Anforderungen an die ambulante Versorgung seien Apothekerinnen und Apotheker bereit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen – vorausgesetzt, Kompetenz und Leistung würden auch strukturell anerkannt und wirtschaftlich abgesichert.
Solidarität mit der ABDA - „Mit einer Stimme sprechen“
ABDA-Geschäftsführerin Franziska Erdle, die als Gast an der Delegiertenversammlung teilnahm, betonte die Wichtigkeit, als vereinte Apothekerschaft mit einer Stimme zu sprechen: „Folgen Sie der Position der ABDA“, so Erdle.
Nachwuchskampagne „Du machst Bayern gesund“
Neben den politischen Themen richtete sich der Blick auf die Zukunft des Berufsstandes. Der Fachkräftemangel beschäftigt die Apothekerschaft zunehmend. „Insbesondere in turbulenten berufspolitischen Zeiten, bleibt die Nachwuchsgewinnung umso wichtiger“, betonte Vorstandsmitglied Paul Schmitz bei seiner Präsentation der aktuellen Nachwuchs-Kampagne „Du machst Bayern gesund“. Ziel sei es, junge Menschen frühzeitig für den PKA-Beruf, die PTA-Ausbildung oder ein Pharmaziestudium zu begeistern, indem die Vielfalt pharmazeutischer Berufsbilder sichtbarer gemacht werden. Die Delegierten tauschten sich hierzu über ihre Erfahrungen aus den Regionen sowie über Möglichkeiten aus, den Beruf noch stärker in Schulen und der Öffentlichkeit zu präsentieren.
„Wir sind Teil der Lösung – und nicht das Problem“
Trotz vieler Herausforderungen prägte die Versammlung ein konstruktiver Grundton. Die Delegierten machten deutlich, dass Apothekerinnen und Apotheker bereitstehen, zusätzliche Verantwortung in der Gesundheitsversorgung zu übernehmen. Gleichzeitig formulierten sie klare Erwartungen an die Politik: Wer auf die Kompetenz der Vor-Ort-Apotheken setzt, muss diese Strukturen auch stärken und wirtschaftlich absichern.
Neben den inhaltlichen Debatten war die Versammlung auch von einem Moment des Übergangs geprägt: Mit dem Ende der Wahlperiode verabschiedete sich das Gremium in seiner bisherigen Zusammensetzung. Präsidium und Vorstand dankten den Delegierten für ihr Engagement in den vergangenen vier Jahren und für die intensive berufspolitische Arbeit in einer Zeit großer Veränderungen. Mit der neu gewählten Delegiertenversammlung beginnt nun eine weitere Phase anspruchsvoller, wegweisender Entscheidungen. Dass die Apothekerschaft diese aktiv mitgestalten will, war an diesem Tag deutlich spürbar.
| Der Dank gilt vor allem den langjährigen Delegierten, die nicht mehr in der kommenden Delegiertenversammlung vertreten sein werden sein werden: |
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Als Ausdruck des Dankes für den besonders langjährigen Einsatz im bayerischen Apothekerparlament, wurden Eva-Maria Plank, Elke Wanie (beide 40 Jahre), Sabine Wölfer (28 Jahre) sowie Florian Picha (28 Jahre) und Ulrich Koczian (20 Jahre) von Präsidentin Scharpf und den Vizepräsidenten Dr. Sonja Mayer und Alexander v. Waldenfels besonders geehrt.
Jahresrechnung 2025
BLAK-Geschäftsführerin Kathrin Koller präsentierte den Delegierten die Jahresrechnung 2025, die dieser einstimmig zustimmten. Nach dem Bericht der Kassenprüfer folgte die Entlastung des Vorstands, die ebenfalls einstimmig ausfiel.
