Optimismus und Zuversicht trotz herausfordernder Zeiten Über Cannabis, Nachwuchsmangel und Notdienstregelung wurde angeregt auf der Delegiertenversammlung diskutiert

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Ein klares Bekenntnis zur Apotheke vor Ort – das ist die zentrale Forderung der Bayerischen Landesapothekerkammer an die Politik. Im Moment stoßen die politischen Entscheidungen bei den Apothekerinnen und Apothekern eher auf Unmut, weil sie den Arbeitsalltag erschweren und Umsatzeinbußen bedeuten – und das ausgerechnet in Zeiten, in denen steigende Energiekosten und Inflation die Apotheken zusätzlich belasten. BLAK-Präsident Thomas Benkert fand auf der Delegiertenversammlung am 16. November 2022 in München deutliche Worte für den aktuellen Kurs des Bundesgesundheitsministeriums, warb jedoch gleichzeitig darum, den Optimismus nicht zu verlieren.

Stein des Anstoßes ist das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz, laut dem die Apotheken für die nächsten zwei Jahre einen erhöhten Kassenabschlag von zwei Euro statt wie bisher von 1,77 Euro zahlen sollen. Nachdem lange Zeit kein persönliches Treffen mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach möglich war, gelang es der ABDA im Vorfeld des Deutschen Apothekertages endlich einen Termin zu bekommen. „Wir haben mit Engelszungen auf Herrn Lauterbach eingeredet und versucht ihm klar zu machen, dass es bei der Apothekerschaft nichts mehr zu holen gibt“, berichtet Thomas Benkert von dem Termin. Jedoch stieß das beim Bundesgesundheitsminister auf taube Ohren und das Gesetz ist nun beschlossene Sache. „Im Koalitionsvertrag wurde festgelegt, die Apotheken vor Ort zu stärken und dann tritt man uns dermaßen ans Schienbein“, ärgert sich Benkert über die Entscheidungen der Politik.

Im gleichen Atemzug verkündet Lauterbach, dass Gesundheitskioske in sozial benachteiligten Regionen aufgebaut werden sollen. Damit wird eine aus Sicht der Apothekerinnen und Apotheker überflüssige Parallelstruktur geschaffen, für die 750 Millionen Euro pro Jahr investiert werden sollen. Benkert hofft, dass hier noch die Möglichkeit besteht, dem entgegenzuwirken beziehungsweise die Apotheken mit einzubinden, sodass eine nutzbringende Lösung für alle Beteiligten geschaffen werden kann.

Seitens der Bayerischen Landesregierung gab es in Bezug auf das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz Rückendeckung für die Apothekerinnen und Apotheker. Für die Unterstützung und die damit gezeigte Wertschätzung gegenüber der Apothekerschaft bedankte sich Benkert bei den anwesenden Vertretern aus dem Bayerischen Staatministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP), Ministerialrat Frank Plesse und Pharmaziedirektor Dr. Klaus Zeitler.

Für die Apotheken bedeutet der Beschluss von Lauterbachs Spargesetz weniger Rohgewinn. Dagegen stehen höhere Gehälter, steigende Inflation und hohe Energiepreise. Insbesondere bei der Energie gibt es für Apotheken kaum Einsparpotential, denn sie müssen unter anderem zwingend enge Vorgaben zur Lagertemperatur von Arzneimitteln einhalten. Auch können steigende Kosten aufgrund der gesetzlich festgelegten Preise für Arzneimittel nicht einfach an die Patientinnen und Patienten weitergegeben werden.

Der Ärger über die Erhöhung der Abschlagszahlung mobilisierte den kompletten Berufsstand; im Saarland, in Schleswig-Holstein, Hamburg und Brandenburg streikte zudem das Apothekenpersonal. Benkert lobte hier die große Beteiligung unter den Kolleginnen und Kollegen: „Die Aktionen waren medial stark präsent und man hat den Patientinnen und Patienten die Situation gut erklärt, die im Gegenzug dann auch sehr viel Verständnis zeigten.“

Bei den Plänen der Koalition Cannabis zu legalisieren sieht Benkert die Apothekerinnen und Apotheker als Heilberufler in einem Zielkonflikt. Denn die Abgabe zu Genusszwecken verstößt nicht nur gegen EU-Recht, sondern auch gegen das Einheitsübereinkommen der UN, die Verfügbarkeit von bestimmten Drogen einzuschränken. Zudem müsste unter anderem das Betäubungsmittelgesetz grundsätzlich geändert werden. Hierbei wird die Befürchtung unter den anwesenden Apothekerinnen und Apothekern laut, dass die Regelungen zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit medizinischen Cannabis auf der Strecke bleiben könnten.

Apotheken sind E-Rezept-ready

Auch die Einführung des E-Rezeptes führt im Moment eher zu Ärgernissen. Nachdem Schleswig-Holstein noch vor dem Start der Testphase ausgestiegen ist, hat sich nun auch Westfalen-Lippe als letzte verbliebene Pilotregion verabschiedet. „Hier hapert es jedoch eher an den Ärzten“, sagt Benkert. „Großes Kompliment an die Kolleginnen und Kollegen, die Apotheken sind E-Rezept-ready.“ Benkert hält in diesem Zusammenhang die elektronische Gesundheitskarte (eGK) für das ideale Transportmittel, um E-Rezepte von der Arztpraxis in die Apotheke zu bringen. Denn die Patientinnen und Patienten können wie mit ihrem Rezept bisher dann mit ihrer eGK einfach in die Apotheke vor Ort gehen, um ihre Arzneimittel zu erhalten.

Jedoch war bei einigen Kolleginnen und Kollegen noch Unsicherheit beim Thema E-Rezept zu spüren. Vorstandsmitglied Cynthia Milz forderte mehr Zuversicht: „Apotheker werden weder in Politik noch in der Bevölkerung als Digitalisierungsverweigerer wahrgenommen. So wie es momentan mit dem E-Rezept läuft, können wir uns schön langsam dran gewöhnen. Wenn die Möglichkeit über die eGK kommt, läuft es richtig gut. Wir sollten das E-Rezept als Chance sehen.“

Lob gab es vor allem für das Projekt „Demenzfreundliche Apotheke“ des Wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) der Bayerischen Landesapothekerkammer. Dieses wurde mit dem ersten Preis beim Bayerischen Demenzpreis ausgezeichnet. Cynthia Milz, Vorstandmitglied und Sprecherin des WIPIG-Direktoriums, freut sich über die Auszeichnung und sagt: „Mein Ziel ist es, dass irgendwann alle bayerischen Apotheken demenzfreundlich sind.“ Auch BLAK-Vizepräsidentin Dr. Sonja Mayer hat den Anspruch der bayernweiten Umsetzung. Fest steht, das Projekt wird definitiv fortgesetzt. Bereits für das nächste Jahr sind weitere Schulungen geplant.

Vizepräsidentin Franziska Scharpf stellte die Ergebnisse der Überprüfung der Rezepturqualität vor. Von den rund 3000 angeschriebenen Apotheken haben 88 Prozent den Rezepturtest innerhalb der gesetzten Frist bestanden. Im Anschluss wurde von der Delegiertenversammlung Clotrimazol 1 % in Nichtionischer hydrophiler Creme DAB als Rezeptur für den nächsten Turnus ab 2023 ausgewählt.

Nachwuchsgewinnung, Notdienst und Blackout sorgen für reichlich Diskussionsstoff

Eine Frage die sich die meisten Apothekerinnen und Apothekern stellen ist: Wie können wir die Apothekenberufe attraktiver für den Nachwuchs darstellen? Dr. Christiane Eckert-Lill, Geschäftsführerin der ABDA, verdeutlichte in ihrem Vortrag nicht nur, dass der Apothekerberuf ein Engpassberuf ist, sondern spannte den Bogen auch über bereits existierende und geplante Maßnahmen der ABDA, wie Apotheken bei der Nachwuchsgewinnung unterstützt werden können. Benkert sprach sich insoweit für mehr Begeisterung für den Apothekerberuf aus: „Wir müssen zeigen, wie vielfältig und abwechslungsreich unser Beruf ist und wir müssen diese Motivation an die junge Generation weitergeben.“ Positiv ist, dass in Bayern 2022 so viele Ausbildungsverträge für Pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten abgeschlossen wurden wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Aufgabe der wieder beziehungsweise neu gewählten AG Nachwuchs ist es nun, Ideen zur Nachwuchsgewinnung entwickeln.

Die stellvertretende BLAK-Geschäftsführerin Kathrin Koller stellte die Pläne der Kammer zur Umstrukturierung der Dienstbereitschaft vor. Mit dem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wird über die Erweiterung der Entfernungsparameter diskutiert. Der Vorschlag lautet: 15 Kilometer in städtischen Gebieten, 20 Kilometer in Grenzgebieten und 30 Kilometer in stark ländlich geprägten Gebieten. Die daraus entbrannte Diskussion zeigt, wie prekär die Lage bezüglich der Notdienste bereits ist. Die Apothekerinnen und Apotheker fordern vom Ministerium eine dringende, zeitnahe Anpassung der Kilometerregel ein.

Des Weiteren treibt die Sorge über einem möglichen Blackout die Apothekerschaft um. Die Apothekerinnen und Apotheker wünschen sich einen Leitfaden für den Fall eines Blackouts. Eine Generalstrategie gibt es allerdings nicht, dazu sind die Voraussetzungen der einzelnen Apotheken zu individuell. Die Empfehlung lautet, Kontakt mit den Katastrophenschutzbehörden suchen und deutlich machen, dass Apotheken, auch wenn sie gesetzlich nicht zur kritischen Infrastruktur gehören, im Ernstfall berücksichtigt werden. Auf Bundesebene soll eine Checkliste für einen Stromausfall, der über mehrere Stunden beziehungsweise Tage dauert, erstellt werden.   

Absenkung des Hebesatzes für das Beitragsjahr 2023 für Inhaber einer Betriebserlaubnis beschlossen

Der Geschäftsführer der Kammer Dr. Volker Schmitt stellte das Ergebnis der Beratungen von Vorstand sowie Haushalts- und Beitragsausschuss zur Beitragsstruktur der Kammer vor. Die Delegierten stimmten der daraus resultierenden Empfehlung der Ausschussmitglieder und des Vorstandes zu, den Vomhundertsatz für den Beitrag der Inhaber einer Betriebserlaubnis von derzeit 0,084 Prozent des Jahresnettoumsatzes für das Beitragsjahr 2023 auf 0,040 Prozent des Jahresnettoumsatzes abzusenken und ab dem Beitragsjahr 2024 wieder auf 0,084 Prozent vom Jahresnettoumsatz anzuheben. Die in § 3 der Beitragsordnung geregelten Beitragssätze der Kammermitglieder, die nicht Inhaber einer Betriebserlaubnis sind, bleiben dagegen unverändert.

Ehrenzeichen für Frau Professorin Dr. Holzgrabe und Clemens Richter

Frau Professorin Dr. Ulrike Holzgrabe und Clemens Richter erhielten für ihre Verdienste die „Ehrennadel der bayerischen Apotheker“ von Bayerischer Landesapothekerkammer und Bayerischer Apothekerverband e.V. (BAV) – überreicht von BLAK-Präsident Thomas Benkert und dem 1. Vorsitzenden des BAV Dr. Hans-Peter Hubmann.

 

Apothekerinnen und Apotheker sehen sich bei der Abgabe von Cannabis als Genussmittel über Apotheken in einem Zielkonflikt. Foto: BLAK
Für ihr ehrenamtliches Engagement bekommt Frau Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe die "Ehrennadel der bayerischen Apotheker" von BLAK-Präsident Thomas Benkert und dem 1. Vorsitzenden des BAV Dr. Hans-Peter Hubmann überreicht.
Clemens Richter erhält von von BLAK-Präsident Thomas Benkert und dem 1. Vorsitzenden des BAV Dr. Hans-Peter Hubmann ebenfalls die "Ehrennadel der bayerischen Apotheker" für sein ehrenamtliches Engagement.
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